Interview mit Philipp Leipold
Partner bei der Simply Rational GmbH
„Weil Geben zurückgibt“ – Philipp Leipold über sein Engagement bei ASIIN
Philipp Leipold ist Diplom-Psychologe, war während seines Studiums lange Zeit in der Forschung tätig und arbeitet seit mehr als 15 Jahren an der Schnittstelle von Strategie, Mensch und Technologie. Nach Stationen in HR und Corporate Start-ups im Bereich Learning & Development ist er heute geschäftsführender Gesellschafter der Simply Rational GmbH, einer Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Die strategische Unternehmensberatung, die unter anderem vom renommierten Prof. Gerd Gigerenzer mitgegründet wurde, unterstützt Organisationen dabei, gute Entscheidungen gerade in Zeiten der KI-Revolution zu treffen.
Philipp Leipold hat den ASIIN-Wirtschaftsbeirat mitgegründet und ist Mitglied der Zertifizierungskommission. In seiner Biografie laufen die Fäden von Wirtschaft, Wissenschaft und Hochschule zusammen – ein guter Anlass, ihm einige Fragen zu stellen.
Wie kamen Sie mit ASIIN in Kontakt?
Im Dezember 2019 wurde ich von der ASIIN zu deren Internal Conference in Dresden eingeladen, um über mein damaliges Start-up AW Academy zu sprechen, ein IT-Bootcamp für Quereinsteigende. Mich hat die sehr offene und faszinierend internationale Gemeinschaft so beeindruckt, dass ich den Kontakt zur Geschäftsführung gesucht und diese gefragt habe, inwieweit ich unterstützen kann. Das gipfelte dann in der Gründung des Wirtschaftsbeirats im November 2020.
Was hat es mit dem Wirtschaftsbeirat auf sich, und was war Ihre Motivation, dieses Gremium mitzugründen?
Wir stehen vor großen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt: einem Fachkräftemangel und zunehmend auch einem Arbeitskräftemangel, der sich durch den demographischen Wandel weiter verstärken wird. Ich habe das Gefühl, dass wir uns in Deutschland mental noch dagegen wehren – doch die Entwicklung wird spürbar. Man kann untätig bleiben und sich beschweren – oder aktiv werden und etwas tun. Genau das war die Motivation für die Gründung des Wirtschaftsbeirates.
Wir sind dort 13 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchenzugehörigkeit. Uns eint das Ziel, die berufspraktische Relevanz in die Studienprogramme hineinzutragen und die Rückkopplung zwischen Bildung und Wirtschaft zu intensivieren. Es hat sich zwar schon einiges getan, dennoch mache ich immer wieder die Erfahrung, dass selbst sehr gut ausgebildete Hochschulabsolventen länger brauchen, um sich mit wirtschaftlichen Fragestellungen und Aufgaben vertraut zu machen.
Das soll keine Kritik sein: Die klassische universitäre Ausbildung bereitet eher auf eine Tätigkeit in der Forschung vor – und weniger auf die Praxis außerhalb der Academia. Woher sollte eine Universität auch wissen, welche Themen im Einzelnen gefragt sind? Da ist es gut, dass es Institutionen wie ASIIN gibt, die diese Verbindung herstellen.
Welchen Einfluss hat die KI auf die Arbeit im Beirat?
Wir merken alle, dass sich berufliche Tätigkeiten verändern. Das war schon vor der KI-Revolution so. Aktuell beobachten wir, dass sich Tätigkeiten durch KI wie in einem Brennglas massiv verändern. Für die Wettbewerbsfähigkeit ist es daher notwendig, Bildungsinhalte und -formate flexibler und näher an den konkreten aktuellen und künftigen Bedarfen in den Märkten zu gestalten. Hier können wir uns als Wirtschaftsbeirat einbringen und unsere Perspektive auf den Arbeitsmarkt teilen.
Warum sollte ein Unternehmen Mitglied bei ASIIN werden – und wie überzeugen Sie es davon?
Spontan fallen mir drei Argumente ein: der Einsatz für eine gute Sache, das Engagement für die Zukunftsfähigkeit des Landes sowie eine besondere Community mit echtem Peer-to-Peer-Learning.
Wir sind eine Gruppe leidenschaftlich Lernender und Wissensvermittelnder. Wir möchten den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt etwas Positives entgegensetzen und uns für die Chancen der Berufsanfänger einsetzen.
Zudem ist die ASIIN-Community etwas ganz Besonderes: Hier bündelt sich außergewöhnlich viel Kompetenz aus Hochschule, Wissenschaft und Wirtschaft, die man „anzapfen“ kann, wenn man möchte. Der Netzwerkgedanke wird großgeschrieben – bei ASIIN allgemein und ganz konkret auch im Wirtschaftsbeirat. Man lernt Menschen kennen, die in anderen Kontexten unterwegs sind, aber vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie man selbst. Es ist bereichernd, im Peer-to-Peer-Learning voneinander zu lernen.
Wir verstehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Mitstreiter für dieselbe Sache. Wir tauschen uns über Erfahrungen, Einsichten und Herausforderungen aus verschiedenen Branchen und Unternehmen aus und beraten, wie sich die Verzahnung von Wirtschaft und Bildung weiter vorantreiben lässt. Vielleicht teilt jemand seine Erfahrung mit Experimenten oder Pilotprojekten, von denen wir in der Diskussion profitieren können; andere bringen zusätzlich Gremien-Erfahrungen mit oder geben Einblick in politische Entscheidungen, die für die Aus- und Weiterbildung relevant sind.
Neben dem Wirtschaftsbeirat sind Sie Teil der Zertifizierungskommission, die sich mit der Qualität und Zertifizierung von Studien- und Lehrgängen sowie von Institutionen im Weiterbildungsbereich befasst.
Ja, auch in diesem Gremium mitzuwirken, ist mir eine Herzensangelegenheit! Ich bin froh, dass ASIIN die außerakademische Bildung inzwischen stärker in den Blick nimmt. Ich würde mir allerdings wünschen, dass private außerhochschulische Bildungsträger noch eine größere Rolle spielten. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger – gerade in Zeiten der KI.
Während im Wirtschaftsbeirat ausschließlich Wirtschaftsvertreter sitzen, ist in der Zertifizierungskommission ein breites Spektrum fachlicher Weiterbildungsexperten vertreten. Von dort lässt sich auch der Bogen zum Wirtschaftsbeirat schlagen. Ich bringe hier aber eher meine Expertise als ehemaliger Hochschuldozent, Didaktik-Verfechter und Psychologe ein. So diskutieren wir zum Beispiel, ob bestimmte Learning Outcomes sinnvoll sind und wie sie vermittelt werden.
Ihre Mitstreiter und Sie üben bei ASIIN ein Ehrenamt aus, zusätzlich zu Ihrer sehr ausgefüllten Haupttätigkeit. Auf LinkedIn schreiben Sie zum Thema Ehrenamt: „Weil Geben zurückgibt.“ Was gibt Ihnen ASIIN denn zurück?
Eine ganze Menge! Ich habe das Gefühl, etwas bewegen zu können – und das in einem menschlich wie fachlich bereichernden Umfeld. Im Übrigen finde ich den Aufwand für dieses Ehrenamt überschaubar, zeitlich wie finanziell. Wir treffen uns nicht immer in Präsenz.
Gibt es eine Begebenheit aus dem ASIIN-Universum, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Ja, ein echtes Schlüsselerlebnis war für mich die Feier zum 25-jährigen ASIIN-Jubiläum im Jahr 2024. Dabei zu sein, hat mich richtig stolz gemacht. Ich fand es inspirierend, Teil dieser besonderen nationalen und internationalen Community zu sein. Ich habe Vertreter aus anderen Ländern gesprochen, die gerade im Aufstieg sind und die Fehler, die wir in Deutschland im Bildungsbereich gemacht haben, nicht mehr wiederholen müssen.
Viele unserer Verfahrensmanager kehren mit besonderen Eindrücken in die ASIIN-Zentrale nach Düsseldorf zurück und berichten von der großen Wertschätzung, die dem Thema Bildung weltweit entgegengebracht wird.
Das Schöne ist ja: Lernen hat keine negative Seite. Anders als bei Genussmitteln, bei denen man sagen kann: „Es schmeckt, aber gesund ist es nicht.“ Bildung hat im Kern etwas Demokratisierendes. Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch demokratische Werte und Kompetenzen. Leider ist Bildung derzeit keine Branche, in die stark investiert wird – dabei liegt hier so viel Potenzial, das wir nutzen und heben können. ASIIN spielt dabei eine wichtige Rolle.
Sie möchten sich ebenfalls bei ASIIN engagieren?
Ob als Gutachterin oder Gutachter, in einem Fachausschuss, in der Akkreditierungs- oder Zertifizierungskommission, im Beschwerdeausschuss oder im Ethik- und Wirtschaftsbeirat – wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme: info@asiin.de